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HANS LEITERT
DIE KUNST DES COACHINGS |
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| Der Autor des Buches "die Kunst des Torwartspiels" war der dritte und abschließende
Referent des Seminartags. Nachdem Leitert beim ersten Seminar im März über die Kunst des
Torwartspiels referierte, führte Leitert bei dieser Veranstaltung die Teilnehmer durch die
Kunst des Coachings von Torhütern. |
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| Zuletzt trainierte Leitert die brasilianische Nummer zwei, Heurelho da Silva Gomes, bei
Tottenham Hotspurs. Zuvor sammelte der Österreicher bereits Erfahrungen in der
griechischen und spanischen ersten Liga als Torwarttrainer. Anhand eines Fallbeispiels aus
seiner eigenen Praxiserfahrung beim spanischen Erstligisten Recreativo Huelva aus der
Saison 2007/08 zeigte Leitert auf, in welchem Spannungsfeld und unter welchen
Rahmenbedingungen der Torwarttrainer einer (Profi)-mannschaft stehen kann. |
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Für Leitert haben sich die Anforderungen an den Torwarttrainer in den vergangenen Jahren
stark verändert. "Der Torhüter einer Mannschaft besetzt eine Schlüsselposition. Diese
Schüsselposition zieht eine sehr starke Aufmerksamkeit nach sich", erklärt Leitert. Durch
diese erhöhte Aufmerksamkeit stehen die Torhüter unter einem permanent hohen Druck.
Daraus folgt für Leitert, dass auch der Torwarttrainer stets seine Arbeit mit den Torhütern
rechtfertigen muss. "Für uns Torwarttrainer ist es eine Herausforderung, dass die Leistung
eines Torhüters oftmals sehr unterschiedlich interpretiert wird", berichtet Leitert. Der
Torwarttrainer muss in der Lage sein, objektive Daten in einer Welt von Meinungen in die
Beurteilung der Torwartleistung einfließen zu lassen. |
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| Stefano Sorrentino spielte in der Saison 2007/08 im Tor beim bstiegskandidaten Recreative
Huelvo und wurde zur damaligen Zeit von Hans Leitert trainiert. Nach einer Niederlagenserie
fokussierte sich die Kritik besonders auf den italienischen Torhütern. Die Klubführung des
spanischen Erstligisten forderte vehement einen Torwartwechsel für die restlichen
entscheidenden Spiele der Saison. |
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| Anhand dieses Fallbeispiels zeigte Leitert bei seinem Vortrag auf, wie er mit einer objektiven
Leistungsanalyse Sorrentinos eine Empfehlung für das Für und Wider des Torwartwechsels
abgegeben hatte. In einem ersten Schritt führte Leitert dabei eine Analyse der Gesamtsituation
durch. Dabei blickt Leitert auf die vergangenen Spiele zurück ("was war?"). Bei dieser
objektiven Spielanalyse werden die vergangenen Spiele auf die Anzahl der Torwartfehler
analysiert. Leitert vergleicht dabei, ob die Anzahl der Fehler einen statistischen Unterschied
zu der Anzahl der Torwartfehler der vergleichbaren Toptorhüter aufweist. Weiter blickt
Leitert auf die Spiele des Torhüters in Bezug auf besondere technische Unsicherheiten, und
ob der Torhüter Schwächen bei der Raumverteidigung aufweist. Bei dieser Analyse wurde
deutlich, dass Leitert kein Torwartproblem bei Huelvo und bei Sorrentino gesehen hatte. |
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In einem weiteren Schritt der Analyse beschäftigt sich Leitert mit der aktuellen Verfassung
des Spielers und der Analyse der externen Einflüsse ("was ist?"). Anhand eines Modells des
englischen Sportpsychologen Bill Beswick bewertete Leitert das aktuelle Spielerpotential des
Torhüters. Dabei fließen die "Hardfacts", wie Technik, Taktik, Physis, und die "Softfacts",
wie die mentale Stärke, Emotionen und der Lifestyle des Torhüters in ein Punktesystem ein. "Falls der Spieler in einem dieser Punkte eine signifikante Verschlechterung aufweist, muss
ich reagieren", erklärt Leitert die Benutzung des Bewertungssytems. "Dabei achte ich in der
täglichen Trainingsarbeit besonders darauf, wie der Torhüter aus mentaler Sicht auf mich
wirkt. Zeigt er Präsenz? Wirkt er sicher? Zudem achte ich darauf, wie der Spieler mit seinen
Mitspielern kommuniziert und wie die Spieler speziell bei Spielformen auf den Torhüter
reagieren", führt Leitert weiter aus. |
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| Daneben werden die externen Einflüsse analysiert. Zu den externen Einflüssen zählt Leitert in
diesem speziellen Fall, dass die Klubführung zu Panik in schweren Zeiten neige, und dass
vereinsinterne Interessen an einem Torwartwechsel vorhanden gewesen seien. Der finale
Schritt bei der Spieleranalyse bezieht sich auf die kommenden Spiele ("was wird?"). Dabei
werden die kommenden Gegner in die Analyse mit einbezogen. |
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| Aufgrund der objektiven Leistungsanalyse kam Leitert zu dem Ergebnis, dass ein
Torwartwechsel nicht zu empfehlen sei. "Diese Entscheidung hat sich als richtig erwiesen.
Wir haben letztlich mit einem guten Sorrentino die Klasse noch halten können", bilanzierte
Hans Leitert die Fallstudie. Leitert wies allerdings darauf hier, dass selbst wenn alle Fakten
objektiv erfasst werden würden, noch immer ein gewisses Restrisiko bleibe. "Schließlich
spielt bei fast 40% aller Tore der Zufallsfaktor eine entscheidende Rolle", sagt Leitert. |
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Im zweiten Teil seines Vortrags ging Leitert auf weitere Aspekte des Coachings ein. Er
zitierte dabei verschiedene Modelle aus der Psychologie, Sportpsychologie und der
Managementliteratur und unternahm den Versuch, diese Modelle auf die Arbeit des
Torwarttrainers zu adaptieren. Alle verwendeten Modelle bringen zum Ausdruck, dass die
Arbeit eines Torwarttrainers viel mehr ist, als lediglich die Bälle auf das Tor zu schießen.
"95% der Trainingsarbeit ist Arbeiten am Kopf", zitierte Leitert bei seinem Vortrag den
Torwarttrainer von Newcastle United, Peter Barron. Dabei gelang Leitert ein innovatives und
modernes Bild der Rolle den Torwarttrainers den Zuhörern zu transportieren. |
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