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CLAUDIO FILIPPI
DIE TORWARTTRAINER IN ITALIEN UND BALLANGRIFF
 
Claudio Filippi war der zweite Referent der Veranstaltung. Der 44-jährige Italiener trainiert die Torhüter des Erstligisten Chievo Verona. Durch seine Analysen und Veröffentlichungen im Bereich des aggressiven Ballangriffs ist er über die Grenzen Italiens hinaus bekannt. In seinem zweistündigen simultan übersetzen Vortrag beschäftigte sich Filippi mit der Rolle des Torwarttrainers im italienischen Fußball und mit der Technik des aggressiven Ballangriffs.
Der erste Teil seines Vortrags zeigte auf, inwieweit in Italien die Rolle des Torwarttrainers etabliert und eingeführt ist. Wie auch in anderen Ländern hat sich die Position des Torwarttrainers erst in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts etabliert. Zuvor wurden die Torhüter entweder gar nicht oder von den Co-Trainern beschäftigt. Erst in der jüngeren Vergangenheit beschäftigen die Klubs der Serie A hauptberufliche Torwarttrainer. "Es gibt in der Serie A drei verschiedene Trainingsphilosophien. Einige Torwarttrainer legen sehr viel Wert auf das Trainieren der athletischen Eigenschaften und der Fitness der Torhüter. Andere legen Wert auf die speziellen Torwarttechniken. Eine dritte Gruppe fokussiert sich auf das Training der Torwarttechniken in Kombination mit taktischen Aspekten des Torwartspiels", erklärt Filippi. Der Mangel an einer speziellen Trainerlizenz für Torwarttrainer ist einer der Gründe für die unterschiedlichen Ausprägungen der Ansätze der Torwarttrainer der Serie A.
"Wir haben zwar keine Torwarttrainer-Lizenz, jedoch haben wir einen Verein für Torwarttrainer, in welchem mehr als 1000 Torwarttrainer organisiert sind und sich in diversen Seminarreihen fortbilden", erläuterte Claudio Filippi. Rund 40% der Torwarttrainer der italienischen Serie A sind ehemalige Profitorhüter der Serie A. Somit haben in Italien auch ehemalige Amateurspieler gute Chancen, den begehrten Posten des Torwarttrainers in einer Mannschaft der Serie A zu ergattern. Filippi selbst konnte nach dem Studium eines Biomechanik-Studiums in den Beruf des Torwarttrainers überwechseln. "Egal, ob Profi oder nicht, als Torwarttrainer muss man eine Grundüberzeugung haben, und diese auch vertreten können", beschreibt Filippi die Grundvoraussetzung, um den Job des Torwarttrainersüberhaupt übernehmen zu können. Für Filippi sind die wichtigsten Eigenschaften des Torwarttrainers seine Professionalität, seine Verlässlichkeit und auch seine Menschlich- und Großzügigkeit. Weiter wies Filippi darauf hin, dass in der italienischen Liga der Torwarttrainer ein Bestandteil des gesamten Trainerteams ist. "Der Torwarttrainer arbeitet niemals alleine und autonom, sondern ist stets in das gesamte Trainerteam mit eingebunden", beschreibt Filippi die Einordnung der Torwarttrainerrolle. Beispielsweise arbeitet Filippi beim Training der athletischen Bereiche sehr eng mit dem Athlethiktrainer zusammen. "Erst in der Zusammenarbeit mit den anderen Trainern ist es möglich, die Torhüter auf das höchste Leistungsniveau zu heben", sagt Filippi. Zum Abschluss seines ersten Vortrags beschrieb Filippi das besondere Verhältnis, das geschaffen werden muss, damit die Arbeit zwischen dem Torwarttrainer und den Torhütern auf fruchtbaren Boden fällt.
In zweiten Teil seines Vortrags ging Filippi auf die Technik des aggressiven Ballangriffs ein. Die Idee zur Methode des Ballangriffs entnahm Filippi der neuen Spielweise des gerade 17- jährigen Gianluigi Buffon, der für den AC Parma in der Serie A debütierte. Mit Hilfe von offensiven und aggressiven Hecht- und Fangtechniken soll der Torhüter möglichst schnell in Ballbesitz kommen. „Einmal mehr haben die Analysen der EURO 2008 gezeigt, dass die Torhüter neuen Anforderungen ausgesetzt sind. Hohe Bälle von außen und Bälle in die Tiefe erfordern eine aggressive Spielweise des Torhüters“, erläutert Filippi. Allerdings betont Filippi, dass als Grundlage für diese erweiterte Torwarttechnik die Torhüter taktisch sehr gut ausgebildet sein müssen und über eine ausgezeichnete Spielantizipation verfügen sollten. Der Torhüter sollte stets darauf achten, dass der dem Angreifer so wenig wie möglich Raum und Zeit lässt. „Ebenso erfordert der Ballangriff auch viel Mut und Entschlossenheit des Torhüters“, sagt der Italiener, dessen Vortrag in italienischer Sprache simultan in Deutschübersetzt wurde.
Aufgrund der Radikalität des Ansatzes löst der Ballangriffvortrag bei den Teilnehmern eine rege Diskussion aus, inwieweit sich die extreme Form des Ballangriffs in den verschiedenen Ligen umsetzen lassen würde.

 

Publikationen

Thomas Schlieck, Arminia Bielefeld

Hans Leitert
"Die Kunst des Torwartspiels oder die sieben Prinzipien
der Meister"

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Michael Schweika, Arminia Bielefeld

Claudio Filippi
"Ballangriff"
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Michael Schweika, Arminia Bielefeld

Maarten Arts
"200 Übungen für den Torwart"
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Michael Schweika, Arminia Bielefeld

Maarten Arts
"Trainieren wie die Profis"
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